Training · 6 Min. Lesezeit · 30. August 2026
Nicht mehr trainieren. Genauer trainieren.
Kurz zusammengefasst
Wenn ich erzähle, dass ich auf Los Angeles 2028 hinarbeite, kommt fast immer dieselbe Frage: Wie viele Kilometer läufst du pro Woche? Die Zahl ist der uninteressanteste Teil der Antwort. Was mich nach vorne gebracht hat, waren sechs andere Dinge – und fünf davon funktionieren auf jedem Niveau.
1. Ein Ziel mit einem Datum
Ohne Datum bleibt jedes Ziel eine Absicht. Mein Kalender läuft auf zwei Fixpunkte zu: den Marathon in Valencia im Dezember und die Weltmeisterschaft 2027. Alles davor ordnet sich unter, jede Trainingswoche, jeder Wettkampf, jede freie Stunde.
Genau deshalb bin ich zwei Wochen nach dem EM-Marathon in Birmingham in Klagenfurt gestartet, direkt aus dem Höhentrainingslager, ohne Umstellung. Kein Höhepunkt, sondern ein Formcheck auf dem Weg. Für dich funktioniert das genauso. Ein Datum im Kalender verändert, wie du trainierst. Nicht mehr, aber anders.
2. Wissen statt Vermutung
Der größte Unterschied zwischen ambitioniertem Training und Spitzensport ist nicht die Härte. Es ist die Genauigkeit. Ich weiß, bei welchem Tempo mein Laktat steigt. Ich kenne meine Pulsbereiche, meine Wattwerte, meine Reaktion auf Belastung. Ich zeichne Herzratenvariabilität, Körpertemperatur und Zyklus auf. Diese Daten sagen mir nicht, wie schnell ich laufen kann. Sie sagen mir, wann ich Gas geben darf und wann ich es lassen muss.
Ohne Diagnostik trainieren die meisten Läufer im selben Graubereich: zu schnell für den Grundlagenbereich, zu langsam für einen echten Reiz. Eine einzige saubere Leistungsdiagnostik verändert daran mehr als drei zusätzliche Trainingsmonate.
3. Menschen, die mitgehen
Ich arbeite seit Jahren mit Vincent Vermeulen (Leistungszentrum Ramsau) zusammen. Jede Trainingswoche, jede Wettkampfvorbereitung, jede Entscheidung über Belastung und Erholung entsteht in dieser Zusammenarbeit. Ein Trainer nimmt dir die schwierigste Entscheidung ab: die ehrliche Einschätzung von außen. Am Tag, an dem du dich stark fühlst und trotzdem bremsen solltest, ist das mehr wert als jeder Trainingsplan.
4. Ein Umfeld, das das Training trägt
Ein guter Trainingsplan wirkt erst durch den Rahmen, in dem du ihn umsetzt. Genau darum habe ich für das Julia Mayer Performance Center das VILA VITA Pannonia in Pamhagen als Homebase gewählt. Was dort zusammenkommt:
- 12 ausgeschilderte Laufstrecken mit gesamt 76,4 Kilometern auf und um das 200 Hektar große Gelände, von der 1,1 Kilometer kurzen Runde bis zum 15,8 Kilometer langen Grenzlauf
- als Partner des Laufparks Neusiedler See der Zugang zum größten Laufpark Österreichs
- flaches, schnelles Terrain im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel, ohne Ampeln, ohne Verkehr, mit Wind als natürlichem Widerstand
- Wellness- und Saunadorf, Fitnesscenter, Naturschwimmteich und beheiztes Außenbecken
- Küche und Zimmer an einem Ort, sodass Training, Essen und Schlaf nicht gegeneinander arbeiten
Der Wind im Seewinkel ist übrigens kein Nachteil. Wer bei Gegenwind Tempo halten kann, lernt Rhythmus.
5. Erholung ist Teil des Trainings
Das ist der Punkt, an dem die meisten ambitionierten Läufer Leistung liegen lassen. Der Reiz entsteht im Training, die Anpassung entsteht danach. Bei mir ist Regeneration geplant wie eine Einheit: Schlaf als erste Priorität, Sauna und Wasser nach harten Blöcken, Massage und Mobilisation als fixer Bestandteil der Woche, Ruhetage, die wirklich Ruhetage sind.
6. Ernährung, die zum Training passt
Sieben Jahre lang habe ich meinen Blutzucker durchgehend gemessen, im Training wie im Alltag. Das war eine der lehrreichsten Phasen meiner Karriere. Ich habe gesehen, wie unterschiedlich mein Körper auf dieselbe Mahlzeit reagiert, je nachdem, was davor und danach passiert, und wie stark Schlaf, Stress und Belastung mitspielen.
Heute messe ich nicht mehr permanent, weil aus den Daten Erfahrung geworden ist. Man braucht dafür kein Labor im Alltag. Aber man braucht ein System: genug Kohlenhydrate rund um die harten Einheiten, ausreichend Eiweiß für die Erholung, Eisen und Vitamin D im Blick, und keine Experimente in der Woche vor einem Wettkampf.
Wie kann ich diese Methoden selbst erleben?
Man kann es nicht kopieren. Aber man kann die Prinzipien übernehmen: messen statt schätzen, steuern statt hoffen, erholen statt draufpacken. Genau dafür gibt es das Julia Mayer Performance Center – mit Leistungsdiagnostik, Camps und Events im VILA VITA Pannonia.
Ich bin erst Mitte zwanzig zum Laufen gekommen, aus dem Fußball, ohne Plan und ohne Erwartung. Was daraus geworden ist, war nie das Ergebnis von Talent allein, sondern von vielen Jahren konsequenter Arbeit mit den richtigen Menschen. Genau das gebe ich im JMPC weiter.