Wettkampf · 5 Min. Lesezeit · 21. September 2026
Halbmarathon-WM Kopenhagen: Julia Mayer läuft ÖLV-Rekord
Kurz zusammengefasst
Ich bin bei der Halbmarathon-WM (World Athletics Road Running Championships) in Kopenhagen am 20. September 2026 in 1:10:54 einen neuen ÖLV-Rekord gelaufen und wurde 38. Meine alte Bestmarke von Barcelona 2024 (1:11:09) habe ich um 15 Sekunden verbessert. Damit bin ich die erste Österreicherin, die im Halbmarathon unter 1:11 geblieben ist.
Fakten
- Zeit
- 1:10:54 (ÖLV-Rekord), Platz 38
- Zwischenplätze
- 69. nach 5 km, 57. nach 10 km
- Vorher
- 1:11:09, Barcelona, 11.02.2024
- Weltmeisterin
- Agnes Jebet Ngetich (KEN), 1:05:15
- Ort und Datum
- Kopenhagen, 20.09.2026
- Drei Tage davor
- Vienna Night Run, 5 km, 15:28, Streckenrekord
Wie habe ich mich auf die WM vorbereitet?
Der Halbmarathon war für mich ein Zwischenhalt. Mein großes Saisonziel bleibt der Marathon in Valencia im Dezember. Vor dem Start wollte ich mich nicht von den anderen beeinflussen lassen, sondern auf mein eigenes Tempogefühl hören. Wenn mein Körper von Anfang an gute Signale sendet, wollte ich den Rekord angreifen. Mein Plan war ein Negative Split: die erste Hälfte kontrolliert angehen, die zweite Hälfte schneller laufen.
Die Basis dafür war da. Beim EM-Marathon in Birmingham war ich einen Monat davor Zehnte geworden, in 2:28:23, für mich mein bisher bestes Rennen. Mein Trainer Vincent Vermeulen und ich messen und analysieren inzwischen mehr, dadurch vertrage ich hohe Trainingsbelastungen besser als früher.
Am Donnerstag vor der WM bin ich noch den Vienna Night Run über 5 km gelaufen: 15:28 und damit Streckenrekord. Als österreichischer Rekord zählt die Zeit nicht, weil die Strecke nicht vermessen ist.
Wie lief das Rennen gegen den Wind?
Um 9:10 Uhr ging es mit 110 Konkurrentinnen los, durch die Kopenhagener Innenstadt und mehrere Stadtviertel. Wie geplant bin ich kontrolliert gestartet und lag nach 5 km nur auf Platz 69. Danach habe ich mehr investiert und mich Stück für Stück nach vorne geschoben, nach 10 km war ich 57. Der Negative Split ist aufgegangen: Die zweite Hälfte war schneller als die erste.
Anfangs bin ich in einer Gruppe gelaufen, aber ab Kilometer sieben musste ich alleine im Wind arbeiten. Die Bedingungen waren extrem schwierig, so etwas habe ich in einem Rennen eigentlich noch nie erlebt. Ab Kilometer zehn waren wir zu viert, aber niemand wollte wirklich vorne laufen, dadurch wurde es sehr taktisch. Bei Kilometer 16 bin ich dann selbst nach vorne gegangen und habe mich als 38. ins Ziel gekämpft. Im Vergleich zur Startliste sind das 21 Plätze nach vorne, und ich war die zehntbeste Europäerin.
Das ganze Rennen war ein Kampf. Am härtesten war die 600 Meter lange Zielgerade, auf der wir noch einmal voll gegen den Wind ankämpfen mussten. Im Ziel habe ich die Zeitnehmung gesehen und wusste sofort, dass sich der Rekord ausgeht.
Was wäre bei guten Bedingungen möglich?
Umso mehr freue ich mich über die Bestzeit und den österreichischen Rekord, gerade bei diesen Bedingungen. Das stimmt mich sehr positiv für das, was bei perfekten Bedingungen noch möglich sein könnte. Ich bin überzeugt: Da wäre hier eine 1:10 drin gewesen. Auch Platz 38 ist für mich ein gutes Ergebnis. Dass ich innerhalb einer Woche zwei Rennen mit jeweils starken Leistungen laufen konnte, freut mich besonders.
Es ist mein zehnter ÖLV-Rekord, verteilt auf 5 km, 10 km, Halbmarathon und Marathon, dazu gehört die 2:26:08 aus Valencia im letzten Dezember. Vor Kopenhagen hatte ich in diesem Jahr außerdem in Wien, am Traunsee und in Klagenfurt gewonnen.
Wie lief die WM für das ÖLV-Team?
Agnes Jebet Ngetich (KEN) wurde in 1:05:15 Weltmeisterin und lief damit einen Weltrekord für reine Frauenrennen. Bei den Männern gewann Andreas Almgren (SWE) in 58:06 und verbesserte seinen eigenen Europarekord um 35 Sekunden.
Der Tag davor hatte für uns schon großartig begonnen: Lisa Redlinger lief einen 5-km-Rekord und wurde sensationell 14. Bei den Männern war WM-Debütant Timo Hinterndorfer mit 1:02:44 als 57. bester Österreicher. Aaron Gruen (83., 1:04:16) reiste erst kurz vor dem Rennen direkt aus den USA an und hatte an diesem Tag nicht seine Beine. Kopf hoch, Aaron!
Wie geht es weiter?
Kopenhagen war ein starker Zwischenschritt. Jetzt richte ich den Blick auf den Marathon in Valencia im Dezember. Danke an alle, die mitgefiebert haben, und an den ÖLV für die Unterstützung.
Wie ich trainiere und wie du mit mir laufen kannst, erfährst du im Julia Mayer Performance Center (JMPC).